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Jo Hamilton

Ich höre gerne Musik. Und ich höre sehr viel davon. Es gibt im Moment so viel gute Musik, weil wohl durch den Untergang der Musikindustrie und dadurch, daß sie im Internet nicht so wie in den alten Medien die Kanäle dicht halten und mit ihrer Industrieware alles vollstopfen kann, plötzlich so viel Platz für so viele unglaublich gute Künstlerinnen und Künstler da ist, von denen man vor wenigen Jahren noch nie etwas mitbekommen hätte wie nie zuvor.

Es macht also momentan viel Spaß, Musik zu hören, denn es ist so leicht, schönes zu entdecken. Und doch passiert es hin und wieder, dass ich etwas höre, was noch einmal so viel besser ist als alles andere. So bin ich gestern auf dem überhaupt sehr empfehlenswerten Thesixtyone über Jo Hamilton gestolpert, im speziellen über dieses Lied hier. Ich kanns nicht anders sagen: Es bringt mich völlig aus der Fassung. So sehr durchgeschüttelt und gerührt und spontan die Tränen in die Augen gebracht hat mich seit einer gefühlten Ewigkeit kein einzelnes Lied mehr. Und es ist das Lied insgesamt, nicht etwa nur diese Stimme. Die ist zwar unglaublich, aber es ist auch der Text, das Arrangement, das Wettergrollen, das dem Refrain unterlegt ist und irgendwie all das zusammen was diesem einen Lied eine Kraft gibt, die einen komplett die Deckung nimmt, die Gedanken wegbläst und schlichtweg überrollt. Es ist das erste Mal dass ich ein Musikalbum sofort und direkt online gekauft und runtergeladen habe und das läuft momentan bei mir ununterbrochen. Ich verstehe gar nicht, dass diese Frau und ihre Musik nicht viel bekannter ist, das Album ist schon fast ein Jahr alt (es erschien letztes Jahr an meinem Geburtstag) und ich habe weder im Fernsehen noch im Radio auch nur das geringste davon gehört.

Sie hat auch einige sehr schöne Videos auf Youtube, die garantiert nicht wegen irgendwelchem fucking content von Sony gesperrt werden. Eins davon will ich euch unbedingt zeigen, weil sie da auf einem von Omer Yoshas AirPianos spielt, einem der großartigsten Musikinstrumente, die es gibt:

Und jetzt hat sie mich auch noch dazu gebracht, einen Artikel über sie und ihre Musik zu schreiben...

  • Von Jens Scholz
  • August 31st, 2010
  • Veröffentlicht in .. musik
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: gown, jo hamilton, liathach, musik

Fuck Sony Entertainment!

Dass die beiden am häufigsten favorisierten Tweets von mir mit der Musikindustrie zu tun haben und vor allem der jüngste davon eigentlich nur beinhaltete, dass mich diese Meldung, dass ich wegen Sony-Content ein Video nicht anschauen dürfe inzwischen so unglaublich nervt zeigt mir gut, dass ich nicht der einzige bin, der sich von dieser Unterhaltungsindustrie nicht mehr unterhalten fühlt.

Grade läuft sich dieses Video von Sid, dem Liedermacher bei Twitter und Co hübsch warm und ich denke, dass wir das auch in den nächsten Wochen noch einige Male hören und sehen werden und seine momentan nur knapp 2000 Aufrufe sich schlagartig erhöhen werden. Und mit was? Mit Recht.

(Direct Link)

Update: Hier gibts den Song auch zum Download (via René)

  • Von Jens Scholz
  • August 27th, 2010
  • Veröffentlicht in .. wirtschaft, .. rant
  • 1674 Ansichten
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: emi, sony, universal, warner, youtube

Ach ja, bevor ich's vergesse:
Herzlichen Glückwunsch, Blog!

Wow! Du bist jetzt 10 Jahre alt. Ich überleg mir was schönes für Dich. Vielleicht mal wieder einen ganz langen Artikel. Versprochen.
(Und mach Dir keinen Kopf wegen dem Flattr-Button nach 10 Jahren komplett probono bloggen. Der gilt immer fürs ganze Blog. Ich bin wahrscheinlich eh zu faul, für jeden Artikel einen Code und Button zu erzeugen).

  • Von Jens Scholz
  • August 24th, 2010
  • Veröffentlicht in .. selbstreferentielles, .. bloggen
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: bloggen, champagner, jubiläum

Mein Leben ist ein Murakami-Roman
(... aber man könnte es wahrscheinlich auch wesentlich schlechter treffen)

Ich lese so alle ein, zwei Jahre mal ein Buch von Murakami. Nicht, weil ich mir das irgendwie vornehme oder unbedingt alle seine Bücher lesen will - ich stolpere meistens in Buchläden drüber. Aber irgendwie passen seine Erzählungen dann jedes Mal gut in meine jeweilige Situation. Vor drei Jahren, als ich so etwas wie ein neues eigenes Leben angefangen habe, hab ich "Mister Aufziehvogel" gelesen. Ich fuhr zu dieser Zeit fast eineinhalb Stunden mit S-Bahnen und Regionalexpress von Düsseldorf zu meiner neuen Arbeitsstelle bzw. zurück und an den Wochenenden mit dem ICE nach Neu-Isenburg. Einerseits war ich zuvor noch nie derart entwurzelt, andererseits aber auch schon lange Zeit nicht mehr so unabhängig von irgendwelchen Tagesverpflichtungen. Der Job ging von selbst, da ich für das was ich tat doch inzwischen auf sehr viel Erfahrung zurückgreifen konnte. Ich genoss es, mich für nichts wirklich beeilen zu müssen, da es keinen Grund gab, zu einer bestimmten Zeit irgendwo hin zu kommen. Ich wurde nirgends von jemandem oder etwas erwartet. Mister Aufziehvogel war ein Buch, das mich darin zu unterstützen schien, diese Situation gut zu finden. Es geht darin um jemanden, der sich ausklinkt, der zunächst vom Gleis rutscht, dann aber diesen Zustand annimmt, sogar verstärkt, sich in einen inneren Retreat begibt und verwandelt wieder herauskommt. Nicht dass es eine Konkretisierung dieser Verwandlung gibt oder eine genauere Beschreibung und Unterscheidung, es gibt keinen Vorher-Nachher Vergleich. Der Protagonist bleibt dieselbe Person, aber er hat sich irgendwie sowas wie gehäutet.

Letztes Jahr hab ich "Kafka am Strand" gelesen, das ebenfalls ein gutes Timing hatte, das ich hier jedoch nicht ausführlich abhandeln muss.

Vor einigen Wochen dann habe ich angefangen, "Wilde Schafsjagd" zu lesen. Hier schien die Parallele zunächst die zusein, dass ich gerade mehr oder weniger absichtlich meinen gemütlichen Job gegen einen sehr viel hektischeren getauscht habe, noch dazu einen, bei dem noch nicht wirklich absehbar ist, wohin er mich noch führen wird. Während des Lesens wurde mir aber klar, dass es darum nicht ging. Es ging um Abschiede und wie man sie richtig macht. Einige lässt man einfach geschehen, andere muss man erarbeiten, wieder andere haben eine größere Bedeutung, eine deren Auswirkungen aber niemals ganz klar werden können, selbst wenn man zumindest schon erfasst hat, wie wichtig sie sind und dass sie unbedingt sein müssen, damit alles - nicht nur für einen selbst - weitergehen kann. Ein besseres Buch hätte ich als Vorbereitung auf die vorletzte Woche nicht lesen können.

Jetzt lese ich direkt hinterher die Fortsetzung - "Tanz mit dem Schafsmann" - in der es, soweit ich es momentan überblicke - darum geht, wieder in den Tritt zu kommen. Der wichtige Satz, den der Protagonist als Rat auf die Frage bekam, was er tun solle, ist wohl "Tanzen. Immer weitertanzen, solange die Musik spielt. Dann wird sich die Starre lösen. Tanzen ist alles. Brillant tanzen, so dass alle dich bewundern." - und ab diesem Moment passieren jede Menge seltsame Dinge, begegnen ihm neue Menschen, die ihm wichtig werden und über allem steht die Drohung, dass er es nicht schaffen könnte, dass er einfriert, dass sich die Verknüpfungen lösen und er in der Dunkelheit verschwinden könnte. Allerdings könnte es sein, dass das Buch noch eine völlig unerwartete Wendung vollführt, denn eigentlich wird, zumindest mir, immer erst in den paar letzten Kapiteln richtig klar, worum es eigentlich geht. Aber schon jetzt ist die Welt, in die mich Murakami da wieder mitnimmt, eine mit der ich gerade jetzt schon wieder sehr viel anfangen kann, die meiner eigenen Welt schon wieder sehr viel mehr ähnelt als es mir lieb ist.

  • Von Jens Scholz
  • August 19th, 2010
  • Veröffentlicht in .. rumphilosophieren, .. privat
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  Schlagworte: aufziehvogel, bücher, murakami, schafsmann

Bilder aus Hamburg

Drei Tage Alex in Hamburg besucht. Drei Tage durch die Stadt gelaufen und alles angeschaut. Drei Tage viel Wind und viel Wetter genossen. Drei Tage viel Ruhe und viel Spaß mit Lewin gehabt.

Und es gibt jede Menge Fotos. Das hier ist mein liebstes:

(alle Fotos hier)

  • Von Jens Scholz
  • August 19th, 2010
  • Veröffentlicht in .. privat
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: hamburg, unterwegs

Eineinhalb Wochen

Es ist viel passiert in den letzten eineinhalb Wochen. Nicht viel sichtbares. Aber eine Trennung, die so plötzlich und unvermittelt kam, dass ich zunächst vorsichtshalber auf die Bremse gestiegen bin, um nichts verkehrtes zu machen.
Und eine Woche, in der der neue Job so anspruchsvoll und dicht gepackt war, dass mir die damit verbundene notwendige Konzentration darauf sehr Recht war.
Und am Ende gab es ein gutes Gespräch, das wieder den Blick ausrichtete, das erdete und in dem wir uns auch einig darüber wurden, dass es nicht schlimm ist, wenn eine schöne Zeit zu Ende geht. Dass das nicht heißt, dass wir uns nicht mögen, achten, weiterhin die Dinge zusammen tun können, die uns gut tun. Wenn eine Verbindung nicht mehr passt weil wir uns in drei Jahren beide so sehr verändert haben, dass sie einengt, stresst, den anderen unglücklich macht, kann man nicht verkrampft daran festhalten. Sie reißt ja am Ende sowieso. Und wenn ich ehrlich bin, steckten wir tatsächlich schon eine ganze Weile fest. Sie hat lediglich zuerst den Mut gefunden, das auch zu sagen.

Jetzt packe ich gerade meinen Koffer, denn ich fahre mit Lewin ein paar Tage nach Hamburg und mache dort mit ihm Urlaub. Das kann man mit ihm gut, ich war ja mit ihm auch schon mal für ein paar Tage in Berlin unterwegs. Es ist grade sowieso niemand mehr hier in Köln. Astrid ist nach Kreta abgedüst, Eva nach Schweden, Joshua hat diese Woche auch Besuch und ist beschäftigt. Da kann ich ruhig mal ein paar Tage abhauen.

  • Von Jens Scholz
  • August 15th, 2010
  • Veröffentlicht in .. privat
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: rückmeldung, stand der dinge, unterwegs

Keine Antworten

Giardino fragte im Laufe der Diskussion zum Schienen legen Artikel

... Wie sieht ein Modell des Zusammenlebens aus, das deinen Vorstellungen nahe kommt? Inwiefern bist du dem schon näher gekommen, wie du schreibst? (Das interessiert mich wirklich. Falls dir diese Fragen nicht zu persönlich sind.)

Und ich hatte hier einen ziemlich langen und enthusiastischen Artikel angefangen mit vielen Dingen, die ich in den letzten drei Jahren gelernt habe und wie das Leben aussieht, das ich gerade habe und was davon gut ist und was davon ich noch anders machen will.

Ich habe das alles aber gerade komplett löschen müssen, da - für mich leider völlig unerwartet - seit eben nichts mehr daran stimmt. Statt des Artikels darüber wie schön sich das mit meinem Leben grade entwickelt und wie ich mir vorstelle wie es noch besser wird ist hier stattdessen für wahrscheinlich eine längere Zeit Pause, ich weiß grade schlicht gar nichts.

  • Von Jens Scholz
  • August 5th, 2010
  • Veröffentlicht in .. privat
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: privat, rauschen, sprachlosigkeit

Schienen legen

Meine größte persönliche Niederlage war, dass ich mich an einem Punkt meines Lebens auf die Schienen habe setzen lassen, die bestimmten wie die Menschen in Deutschland idealerweise zusammenzuleben haben und dass ich das zu spät bemerkte. Schienen, die durch gesellschaftliche Bestimmungen und Gesetze aufgebaut wurden und werden und die einem das Leben leicht zu machen scheinen, wenn man ihnen folgt und es holprig und mühsam machen, wenn man versucht, einen anderen Weg zu gehen.

Anfang 2000 war es bei mir so weit, dass ich auf den Schienen fuhr: Verheiratet, zwei Kinder, ich arbeitete Vollzeit, Astrid war hauptsächlich zu Hause - eine typische Einfamilienwohnung mit Garten -, hat sich um die Kinder gekümmert und wir machten 2 Wochen Urlaub im Jahr. Astrid war diejenige, die diese Art zu leben als erste nicht mehr aushielt.

Gerade mal 6 Jahre früher noch fühlte sich das anders an: Ich unterbrach mein Studium für das Kind und Astrid schrieb ihre Diplomarbeit. Dann jobbte ich bei einem Internetprovider und Astrid machte ihr praktisches Jahr. Ich weiss nicht, ob wir groß drüber nachdachten, wie wir unser Zusammenleben organisieren wollten, wahrscheinlich nicht wirklich, denn es lagen ständig direktere Dinge an. Mit der zeit und mit den Notwendigkeiten, die für das Kind anstanden - Kindergarten, Schule - verschwanden die Möglichkeiten, dass wir beide gleichzeitig sowohl unsere berufliche wie auch private Eigenständigkeit und Gleichgestelltheit behalten konnten.

Noch früher waren wir völlig frei in allen unseren Entscheidungen. In der Zeit nach der Schule gab es keine Verpflichtung als der, darauf zu achten dass es dem anderen mit den eigenen Entscheidungen gut geht und halt irgendwie gegenseitig darauf Rücksicht zu nehmen, was der andere tat.

Was war der Grund, aus dem wir unsere Partnerschaft zweier selbstbestimmter Menschen in eine durchstandardisierte Musterehe verwandelten? Es waren offensichtlich die Kinder. Die Kinder sind somit anscheinend der Hebel, mit dem eine Gesellschaft eine politische und kulturelle Ideologie durchsetzen kann: Sie sorgt dafür, dass einige Dinge leicht zu organisieren sind und andere um so schwerer. Kindergarten und Schule zum Beispiel funktionieren in Deutschland auf eine Weise, die ein Elternteil zu hause festsetzen. Der Arbeitsmarkt bevorzugt Männer, erschwert Teilzeit- und Jobsharingregelungen und besonders attraktive Karrierepfade kann man ausschließlich beschreiten, wenn man seine Privatzeit (also auch Zeit mit Kindern) zusätzlich in den Job "investiert". Dazu kommen die Regelungen im Gesundheitswesen und viele weichere gesellschaftliche Mechanismen, die mit dem Rollenverständnis von Frauen und Männern und auch der Beurteilung der Lebensweise zu tun haben. Und schon haben wir eine Matrix in der eine ganz bestimmte, gewünschte, Beziehungsform gut funktioniert und alle anderen nur schwer oder gar nicht. Dass dies alles ein Konstrukt ist sieht man dann, wenn man sich die Matritzen in anderen Ländern ansieht, in denen z.B. die berufliche Gleichstellung einen größeren gesellschaftlichen Wert darstellt als bei uns.

Wie sehr diese Schienen festgelegt sind, wird man nächstes Jahr bei der Volkszählung sehen: Ich gehe davon aus, dass man nur die "Standardbeziehungen" betrachten wird. Es werden jede Menge Menschen in Polybeziehungen, lesbische und schwule Familien, die ganzen Gemeinschaftsprojekte und vieles mehr einfach irgendwie in die zwei Ordungsgruppen ledig und verheiratet/in einer Lebensgemeinschaft (im Sinne von "zwei Personen, wie verheiratet nur ohne Trauschein") eingeteilt werden. Wie falsch das Bild am Ende sein wird erkennt man dann an den Schlagzeilen, die den Rückgang der verheirateten Paare als Untergang des christlichen Abendlandes darstellen werden, denn "nicht verheiratet" ist ja gleichbedeutend mit "ständig wechselnde Partner", Menschen in Polybeziehungen wird ja jetzt schon gerne eine Konsum/Supermarktmentalität unterstellt.

Aber das nur als Exkurs, zurück zum Hebel, also zu den Kindern: Wie dieser Hebel funktioniert kann man momentan an einem neuen Gesetz sehen, das im Prinzip bestimmt, dass ein Kindsvater ein automatisches Sorgerecht erhält. Antje Schrupp hat sich das ganze angesehen und fasst die Auswirkung des geplanten Gesetzes so zusammen:

Justizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger bereitet gerade ein Gesetz vor, wonach es auch bei unverheirateten Eltern automatisch ein gemeinsames Sorgerecht geben soll. Frauen, die Mütter werden, ohne mit einem Mann zusammenzuleben, müssten demnach in Zukunft einen Gerichtsbeschluss erwirken, der ihnen das sozusagen „erlaubt“. (...)

und kommt nach dessen genauerer Betrachtung - die zu lesen sich wirklich lohnt - zu folgendem Schluss:

Das neue Gesetzesvorhaben ist letztlich nichts anderes als die Zelebrierung des heterosexuellen Paares als Kern und Keimzelle der Gesellschaft. Und damit ist sie alles andere als „modern“, sondern sehr altbacken. (...)

Das ist, was ich bezeichnen würde als "Schienen legen". Natürlich erkennt man, dass es immer mehr Menschen gibt, die sich nicht mehr in die zwei bis drei etablierten und gesellschaftlich bevorzugten patriarchalen Beziehungsformen einfügen, mal dahingestellt, mit wie viel echter Absicht das passiert. Und genau denen werden nun Schienen vor die Füße gelegt, die - wieder ein mal über das probate Druckmittel Kind - in die gewünschte Form zurückführen.

Sicherlich gibt es auch gute Gründe für eine Stärkung der Väter, allerdings nimmt man hier eigentlich eine Lösung für einen Extremkonflikt - also eine Situation, in der ein Streit um ein Kind so weit eskaliert ist, dass er z.B. vor einem Gericht entscheiden werden muss - und setzt diese als generelle Norm für alle fest, auch für die, die die Dinge auf ihre eigene Weise regeln möchten. Zufall? Ich glaube nicht. ich denke nicht, dass man darüber - wie man annehmen könnte - einfach nur zu wenig drüber nachdachte. Ich denke viel mehr, dass man hier absichtlich einen Weg sucht, neue Schienen zu legen.

  • Von Jens Scholz
  • August 1st, 2010
  • Veröffentlicht in .. politik und so, .. rumphilosophieren, .. privat
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  Schlagworte: gender vaterschaft kinder normen

Durchgespielt!

Es ist schon ewig her, dass ich ein Spiel mal wirklich bis zum Ende durchgespielt habe. Mass Effect hat es nun tatsächlich geschafft, mich so lange zu fesseln, dass ich - obwohl ich in den letzten 5 Monaten kaum Zeit zum Spielen fand - immer wieder weitergemacht habe. Es hat sich gelohnt, diese durchweg epische, klassische Space Opera hat ein so großartiges, furioses Finale, dass ich wie im Kino nach einem guten Film den ganzen Abspann vor dem Bildschirm sitzen geblieben bin.

  • Von Jens Scholz
  • August 1st, 2010
  • Veröffentlicht in .. games
  • 339 Ansichten
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  Schlagworte: bioware, computergames, mass effect

Duisburg und die perfekte Technokratie

Eine perfekte Technokratie ist dann erreicht, wenn man es geschafft hat, ein System zu erschaffen, in dem jegliche Verantwortung zunächst in kleine Teilverantwortungen aufgeteilt wurde und diese Verantwortungssplitter dann von Personen und Ämtern weg direkt in die Prozesse verlagert wurden.

Das Ergebnis konnte man vor einer Weile schon mal nach dem Einsturz des Kölner Stadtarchivs bewundern, wo die Verantwortung für die Einhaltung der Baurichtlinien in einem Karussellsystem ein mal rundherum von einem Beteiligten zum nächsten organisiert wurde, so dass sie am Ende keiner hatte - mit dem fatalen Ergebnis, dass auch keiner die Einhaltung überwachte, weil man sich auf den jeweils nächsten in der Kette verlassen hat.

In diesem Moment wird uns das so ähnlich erneut in Duisburg vorgeführt: Alle an der falschen Planung und Durchführung der Loveparade beteiligten Personen und Behörden können ihren Verantwortungsbereich zirkelgenau auf Bereiche abgrenzen, in denen nichts schiefgelaufen ist (Polizei z.B. sinngemäß: "Unsere Verantwortung lag nur in der Sicherheit außerhalb der Absperrungen des Partygeländes und da ist ja nichts passiert."). In der Pressekonferenz gab es vorgestern Abend eine bezeichnende Szene: Auf die Frage danach, wer denn jetzt eigentlich die Verantwortung übernehme, schaute der am linken Ende des Tisches sitzende den rechts von ihm sitzenden Herrn an. Der daraufhin den nächsten, der wiederum den nächsten und so fort bis kurz vor dem Moment, in dem diese Stafette beim Bürgermeister angekommen wäre, was der hinter der Herrenriege stehende Pressesprecher geistesgegenwärtig verhinderte, indem er die entgültige Beantwortung dieser Frage als im Moment nicht möglich erklärte.

Am Ende wird man - wie schon in Köln - Fehler im Prozess identifizieren. Man wird darüber schimpfen, den Prozess auch klar als mangelhaft bezeichnen und vielleicht sogar als "Pfusch!", aber der Prozess wird Schuld sein. Nicht etwa die Beteiligten am Prozess. Die haben sich nichts vorzuwerfen, weil sie sich klar an den Prozess gehalten haben. Denn in perfekten technokratischen Systemen gibt es keine Verantwortlichen.

  • Von Jens Scholz
  • Juli 30th, 2010
  • Veröffentlicht in .. politik und so
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  German (DE) latin1  
  Schlagworte: befehlsempfänger, duisburg, loveparade, schreibtischtäter, technokratie
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