Schade, dass man Amokläufe anscheinend nicht wirksam verhindern kann ...
Eine Anwältin aus Lörrach lief in einem Krankenhaus Amok und erschoss dort einen Pfleger nachdem Sie zuvor ihren Mann und ihren Sohn tötete und ihre Kanzlei ansteckte.
Ein Amoklauf bei dem alle bisherigen Erklärungen der letzten Jahre einfach nicht passen: Eine Frau und kein vernachlässigter Jugendlicher, keine Killerspiele auf dem Rechner, keine böse Musik im CD-Player, keine Gewaltvideos im Schrank ... man steht offenbar vor einem völligen Rätsel.
(...) Bei ihrem Amoklauf war die Sportschützin nach Angaben von Polizei und Staatsanwaltschaft mit einer kleinkalibrigen Pistole und rund 300 Schuss Munition bewaffnet. (...)
Wenn man doch nur irgendeine Gemeinsamkeit fände, man könnte eventuell so viele Amokläufe in Zukunft verhindern. Aber ach, das wird wohl noch für lange Zeit weiterhin ein Wunschtraum bleiben.
Die Leute sind nicht so blöd wie manche glauben
Das dürfte von mir so ziemlich jeder schon mal gehört haben, weil das wahrscheinlich der Satz ist, den ich in den letzten zehn fünfzehn Jahren sicherlich am häufigsten ausgesprochen habe. Vor allem dann wenn es um Politikverdrossenheit geht und die Angewohnheit von Medien, Menschen nicht zu zeigen wie sie sind sondern wie man sie haben will.
Zwei Beispiele gehen momentan rum, die das, was ich damit sagen will, ganz gut verdeutlichen. Erstens: das Video hier, in dem zwei Mädels einen rechten Möchtegernreporter ziemlich gut Contra geben. Das sind beileibe keine PR-Profis, sie sind aufgebracht wegen der schmierigen Arroganz des Fragestellers und die Situation ist offensichtlich völlig spontan und überraschend für sie. Und dann bekommen sie es dennoch hin, ihn derart sauber seine Tricks zu entlarven und ihm die Meinung zu geigen dass es sich gewaschen hat. Von wegen uninteressierte Jugend bzw. dumme Ausländerkinder.
Zweitens und noch krasser, weil man besser im Moment gar nicht zeigen kann, wie wenig das, was wir im Fernsehen vorgesetzt bekommen, mit der Realität zu tun hat sondern reine Manipulation mit suggestiven Fragen und der richtigen Schnitttechnik ist: Schaut euch mal hier den Spiegel-TV Bericht an und spult vor bis 7:24. Nachdem offenbar jemand gefunden wurde, der Steinigungen befürwortet sieht man nach einer Weile einen recht aufgeregten jungen Mann, der offensichtlich dem Reporter vorwirft, seine Bibel nicht gelesen zu haben. Warum er das tut und warum er aufgebracht ist, sieht man nicht. Zumindest nicht hier.
Aber dafür hier, wo man auch die Fragen des Reporters zu hören sind und klar wird, warum der aufgeregte Junge Mann überhaupt die Bibel ins Feld führt. Das dürfte die momentan sauberste Demonstration dessen sein, was der junge Mann auch zwischendurch auch sinngemäß sagt "Sie wollen mit ihren komischen Fragen doch nur so lange provozieren, bis jemand endlich das gesagt hat, was Sie senden wollen."
(alle Links via Twitter)
Zurück auf der Brücke
So ein schönes Raumschiff. Und endlich eines, das auch Toiletten hat.
Ich hab zwar immer noch ein wenig Halsschmerzen, aber zumindest bin ich inzwischen wieder fit genug, um mich mal eine Weile lang auf eine Sache konzentrieren zu können. Außerdem regnet es. Daher hab ich endlich Mass Effect 2 angefangen, das mich - wie nicht anders zu erwarten war - sofort faszinierte: Ein epischer Auftakt, der geschickt dafür sorgt, dass man nach einem zweijähriges Koma eine veränderte Welt vorfindet, in der die politischen Verhältnisse erst wieder neu erkundet werden müssen; ein großartig von Martin Sheen gesprochener Strippenzieher, für den man zwar arbeitet, dessen Motiven man aber wohl besser nicht trauen sollte; eine leider etwas ungeschickt umgestellte Steuerung, an die ich mich erst gewöhnen muss, weil die bisher am häufigsten verwendete Taste plötzlich etwas ganz anderes macht.
Es ist jedenfalls sehr schön, wieder ein Raumschiff kommandieren zu können. Jetzt muss ich weiter, meine Crew zusammenstellen ...
Wegen heute ...
8.45am
Von Freerk Heinz und Nils Bokelberg
Freiwerk & QLOD
(und ja, das ist derselbe Film wie letztes Jahr.)
Vom Bälle nach vorne werfen
Es gibt nicht allzu viele Beraterphrasen, die ich in meinem Beruf als Consultant dresche. Manchmal muss es zwar auch mal eine sein, damit mich mein Gegenüber richtig versteht, aber die meisten sind ja in Wirklichkeit nur irgendwie aufgepimpte Binsenweisheiten. Da kann ich auch gleich direkt die Binse nennen und dazu sagen, dass das keine Kunst ist, sowas zu wissen, allerdings im Zweifelsfall durchaus eine, sie richtig anzuwenden.
Einen Beraterausdruck aber gibt es, den ich auch selbst gerne in den Mund nehme. Und zwar, weil man mit ihm treffend mehrere wichtige Punkte umschreiben kann. Es geht um den Ausdruck "den Ball weit nach vorne werfen" und der erste Punkt um den mir dabei es geht ist, dass am Ende - je nachdem, um was es gerade konkret geht - derjenige gewinnt, der zuvor den mutigsten Schritt gemacht hat, das fortschrittlichste Konzept vorstellte, die am weitesten gehende Vision erklärt hat. Wenn es dann nämlich ein wirklich gutes, mutiges, innovatives Ergebnis gibt sind all diejenigen, die eventuell während des Entwicklungsprozesses oder schon davor ganz gut alles bemäkeln und kritisieren konnten, unwichtig, denn sie haben letztlich außer Kritik nichts vorzuweisen und landen als Neider und Miesmacher auf der Loserliste. Der Erfolg spricht für sich selbst.
Ein weiterer Punkt, den ich an dem Bild vom Ball werfen mag ist der, dass man wissen muss, wo man steht und wo ungefähr das Ziel ist, um einen Ball in eine gewünschte Richtung werfen zu können. Es heißt ja nicht nur "den Ball möglichst weit werfen" sondern eben auch "nach vorn". Das geht nicht, wenn man nicht genau weiß, wo man sich befindet und wo vorne ist.
Den Ball werfen hat außerdem etwas spielerisches, experimentelles. Man kann einen Ball auch über einen Zaun werfen, Barrieren überwindet man nicht dadurch, dass man sie akzeptiert. Es geht darum, denen voraus zu sein, die glauben, Bälle dürfen nur gefahrlos rollen. Ich mag deswegen auch keine Benchmarks und halte überhaupt nichts vom vielgelobten Best Practice: Das sind Vorgehensweisen aus der Technokraten-Toolbox, für die muss man nicht wirklich nachdenken, ja für die braucht man nicht einmal einen Menschen, das kann ein Computer alleine ausrechnen - weshalb Technokraten sie ja auch präferieren, denn sie glauben, damit auf Nummer sicher zu sein (was freilich ein Irrtum ist, denn dann wird man irgendwann unweigerlich von so einem Ballwerfer überholt).
Der Unterschied zwischen Lösungen, die ein Computer errechnet und Lösungen, die Menschen sich ausdenken können ist, dass der Computer nichts neues erschaffen wird sondern immer nur das bestehende optimiert. Was eine prima Aufgabe für Computer ist, aber nicht für Menschen (ein Grund, weshalb ich auch keine Angst vor der Macht der Algorithmen habe). Und so oft ich von "Weiterentwicklungen" lese: Meistens handelt es sich dabei nur um Entwicklungen, also bestenfalls Optimierungen und schlechtestenfalls um genau das selbe in anderer Form. Meine erste Frage, wenn jemand so eine Best Practice Lösung von mir haben will, ist daher meistens: "Ihnen ist aber klar dass Sie am Ende dann zwar eine Veränderung haben, aber nicht unbedingt eine Verbesserung?"
Aber weshalb ich das hier überhaupt aufschreibe: Ich werfe ja nicht nur beruflich Bälle, es gibt ja auch noch andere Dinge, die wichtig sind und bei denen ich mir wünschte, es gäbe mehr Menschen, die einfach mal einen Ball nach vorne werfen würden.
Zum Beispiel Politik. Es wird so viel davon geredet, dass man "gestalten" wolle, man verwaltet aber nur. Die Leute, die einen Ball werfen könnten, tun es nicht. Die, die es gerne tun würden, werden nicht an die Stelle gelassen, von wo aus sie es könnten. Man kann sich dran gewöhnen, aber wie viel besser wäre es, wenn statt der ständigen Placebothemen mal die wichtigen Dinge angefasst würden? Es gibt ja so viele Bälle: Ein gerechtes und einfaches Steuersystem? Echter Verbraucherschutz? Ein wirklich gutes Bildungssystem? Das bedingungslose Grundeinkommen? Keine da, der da mal einen Wurf wagt. Stattdessen hat man Angst vor den eigenen Bürgern, die man mit immer mehr Überwachungs- und Zensurmaßnahmen verwaltbar halten will.
Zum Beispiel Gesellschaft und dass irgendwelche populistische Mäkeleien von nem Schnauzbartträger grade Thema Nummer 1 ist. Meine Erfahrung ist: Populisten haben nur so lange Macht, so lange sie ein Problemvakuum ausfüllen können. Eines, in dem eigentlich schon längst was getan werden müsste, aber wo dennoch nichts passiert. Jeder weiß, dass da ein Problem ist. Der Populist ist derjenige, der behauptet, ein Problem wird dadurch gelöst, dass man jemandem möglichst Schwachen dafür die Schuld gibt (blame the victim), ihn dann wegjagt und damit sei das Problem mit verschwunden. Seine Befürworter sind die, die das nur allzu gerne glauben würden weil es eine Lösung ohne echte Veränderung ihrer eigenen kleinen Welt ist. Natürlich kann man auch jedem versuchen klarzumachen, dass das Unsinn ist. Aber so lange niemand den Ball aufgreift und dorthin wirft, wo eine echte, eine neue, eine gerechte Lösung zu erreichen ist, wird man sich weiter detailverliebt an dem blöden Populisten abarbeiten. Für mich ist aber jeder, der sich lediglich auf das Widerkäuen von Kritik und Empörung gegen Sarrazin beschränkt, ebenso mitverantwortlich dafür, dass es seinen ganzen dummen Schmampf überhaupt gibt.
Zum Beispiel ganz persönliches. ich stelle fest, dass ich seit einiger Zeit bei weitem nicht mehr so viel zu jammern habe als noch vor einigen Jahren. Nicht etwa, weil das Leben einfacher geworden ist, sondern weil ich nicht mehr das Gefühl habe, von den Ereignissen willenlos getrieben zu werden. Ich probiere viel mehr Dinge inzwischen lieber aus, statt mir lange Gedanken darüber zu machen, was ich genau will und am Ende gar nichts zu tun. Wenn etwas Unangenehmes passiert nutze ich das sofort zu einer Positionsbestimmung und suche eine Möglichkeit, um aus dieser Situation heraus etwas zu machen, was besser funktioniert. Ich finde dadurch recht schnell die Richtung, in die ich den Ball werfen kann. Sobald ich dann auf dem Weg bin, verschwindet das Gefühl der Ohnmacht und die damit verbundene Unzufriedenheit. Ich glaube inzwischen, dass Unzufriedenheit oft genug eine Ausrede ist, nichts tun zu müssen. Sie schützt einen vor dem Verdacht, dass man zu faul ist, sich oder etwas zu verändern. Bei mir war es jedenfalls hin und wieder so.
Im Moment aber bin ich sehr oft über sehr vieles sehr zufrieden, denn ich habe jede Menge Bälle im Spiel und werfe sie jedesmal noch ein Stück weiter als vorher.
Man kann jetzt also Fragen an den Bundesinnenminister stellen...
... und zwar auf seiner Bundesinnenministerseite in diesem Internet. Zum Placebo-Thema Streetview. Einige haben das schon getan. Ich jetzt auch:
Erklären Sie eigentlich den Leuten noch irgendwann, dass Streetview lediglich das zeigt, was irgendwann mal früh morgens (die SV-Autos fahren zu Zeiten, in denen möglichst wenig auf der Straße los ist) öffentlich zu sehen war, keine Röntgenaufnahmen in private Gärten stattfinden und auch keine Video-Dauerüberwachung darstellt? Und daß in Streetview keine einzige persönliche Information zu finden ist, also die "Privatsphäre" in Wirklichkeit überhaupt nicht angegriffen wird?
Erklären Sie dann den Leuten auch mal, warum Sie da so viel Aufmerksamkeit drauf lenken, wo ihre wirklich privaten Daten schon längst von Ländern und Gemeinden an Firmen verhökert und andere Länder verschenkt werden, in denen unser Privatspärenschutz gar nicht gilt?
Warum darf jeder Beamte in meine Bankkonten schauen, wann er will und braucht mir das nicht einmal hinterher zu sagen?
Warum geben Sie den USA alle meine Bewegungs- und Kreditkartendaten, die über SWIFT ausgetauscht werden können?
Wozu brauchen Sie INDECT, ein teures europaweites Datensammlungs- und Uberwachungssystem, das die paar Vorratsdaten, die sie ja auch noch gerne sammeln würden, harmlos aussehen lässt?
Warum muss ich mir gefallen lassen, dass Sie meine Mails lesen dürfen?
Warum muss ich mir gefallen lassen, dass sie wissen, mit wem ich wann und von wo aus telefoniert habe?
Warum können Firmen bei den Gemeinden viel aktuellere Bilder von Häusern inklusive Ratings und persönlicher Daten der Bewohner kaufen?
Echt mal. Streetview ist ein Problem für die Privatsphäre?
Was mir Angst macht ist, dass es einem Staat möglich sein wird, nächstes Jahr eine Volkszählung durchzuführen, bei der es nahezu unnötig ist, dem Bürger auch nur eine einzige Frage zu stellen, weil man dazu nur die Daten zusammenführen wird, die man schon hat!
A German “Bell Curve”?
Thomas Nephews Fazit über die Relevanz von Thilo Sarrazins 'Deutschland schafft sich ab'
(...) The discussion (...) — whether about integration, the welfare state, or Islam in the West — is probably one worth having. But this is not that discussion. This discussion rests on premises so dangerous that Germany had to spend the balance of a century to overcome the consequences of the last time it accepted them; it’s given a veneer of respectability by the unearned, unchecked authority of an economist turned racist populist. This discussion is not one worth the candle. Too many people are only confirming their worst fears and prejudices in a book by a man almost completely unqualified to write it.
'nuff said
Hundeblut gesucht!
Oh noez! Zebu, der Hund vom Schockwellenreiter, über den ich seit ich bloggen kann immer mal wieder was neues lese ist krank und braucht einen Blutspender! Wußte gar nicht dass es das gibt, aber bitte, liebe Hundebesitzer in Berlin, klickt mal rüber und meldet euch.
Noch'n Geburtstag

Ach je, der Kleine ist dann jetzt auch schon 12 Jahre alt. Unglaublich. Einerseits hab ich das Gefühl, ich hab ihn gestern erst im Kinderwagen durch die Gegend gefahren, andererseits fallen mir so unglaublich viele Dinge ein, die wir schon zusammen gemacht haben.
Ich hoffe, dass wir noch viel mehr tolle Sachen machen können, bevor das Interesse an seinem ollen Papa und diesem ganzen Elternkram abflaut. Vorsätze fürs nächste Jahr gibts auch: Ich will ihn dazu bringen, gerne zu lesen und dabei helfen, mit seinem Dickkopf etwas weniger anzuecken.
Happy Birthday, mein Süßer.
Ten Years After
Dieses Blog - also das Blog unter der URL hier - ist seit ein paar Tagen zehn Jahre alt. Der Untertitel hat sich seitdem nie geändert, er war das Erste, über das ich länger nachdenken musste, als ich mein Blog damals bei blogger.com angelegt habe und lautet auch jetzt noch "personal news in undefinierter dringlichkeit, wichtigkeit oder thematik - ein subjektives log als experiment, wie lange dinge, die wichtig erscheinen, es in wirklichkeit bleiben." Genau das wollte ich haben und das habe ich bis heute. Ich habe seitdem nie wieder darüber nachgedacht, ob ich daran etwas ändern sollte.
Veränderungen gab es dennoch immer wieder. Eingewoben in die Zeit, manches bleibend wie die Kommentare, die anfangs wirklich nur ein nettes Gimmick und über ein externes Script mehr schlecht als recht eingebunden wurden und lange Zeit auch gar nicht unbedingt zu einem ordentlichen Blog gehörten, manches kommend und gehend, weils nur für eine bestimmte Dauer interessant war, wie zum Beispiel diese Spielerei mit der Pencam.
Wenn ich mich durch die Archive wühle stelle ich fest, dass tatsächlich das meiste, was ich aufgeschrieben habe, nur für eine gewisse Weile relevant war - das ein oder andere durchaus mal länger, anderes wäre wahrscheinlich inzwischen komplett vergessen, stünde es nicht da. Ein Thema, was längere Zeit Relevanz hatte war zum Beispiel meine Beschäftigung mit Herrn Möllemann damals. Sein Fallschirmabsturz sorgte dann für ein Ende des allgemeinen und auch meines Interesses. Das erste Thema, das mich über mehrere Tage und Wochen beschäftigte war der Erfurter Amoklauf und die Hysterie der Presse und der Politiker, die sich in diese peinliche Killerspieldebatte versteift haben. Ob populistische Politiker oder die Verteufelung von Jugendkultur: Letztendlich sind zwar die konkreten Anlässe tatsächlich nicht mehr relevant, aber die übergeordneten Themen sind es offensichtlich doch. Ich schreibe heute vielleicht nicht mehr über Möllemanns plumpen Antisemitismus (bzw. hier), sondern eben über Sarazzins dummen Rassismus.
Was sich auch geändert hat: Die generelle Art der Inhalte haben sich ein wenig ausdifferenziert. Es gab doch früher ziemlich viele reine Spaßmeldungen, Anmerkungen, Fragespiele wie die Friday Five oder die sogenannten "Stöckchen" und einfach mal einen Link über den man so gestolpert ist, generell in allen und auch in meinem Blog. Diese Dinge werden aber heute - auch von mir - fast komplett über andere Plattformen wie Facebook und Twitter abgewickelt. Weils auch viel sinnvoller ist, denn die ganzen Links und eingebundenen Bildchen aus Fragespielen funktionieren natürlich heute überhaupt nicht mehr. Dass es dafür inzwischen dafür viel passendere, weil "vergesslichere" Medien gibt stellt aber nur einen Teil der Gründe, dass sich die Inhalte veränderten. Es kamen in den Jahren natürlich auch Dienste dazu, die einem ganz neue Möglichkeiten eröffneten, wie zum Beispiel Youtube, auf das ich zum ersten mal im Sommer 2006 ein eigenes Video hochgeladen habe.
Auch verändert hat sich die Menge der persönlichen Postings. Ich schreibe viel weniger über mich, was keine bewusste Entscheidung ist, sondern sich irgendwie ergeben hat. Wahrscheinlich zum Teil ebenfalls dadurch, dass sich das in etwas abgeschlosseneren Services abspielt, aber das öffentliche Schreiben über sich gehörte ja auch irgendwie immer dazu. Ich glaube weniger, dass sich das wegen der sozialen Netzwerke aus dem Blog geschlichen hat. Das hat eher damit zu tun, dass hier einfach inzwischen sehr viel mehr Menschen mitlesen als in den ersten Jahren. Spätestesn seit dem ersten Vierteljahr 2006, als recht kurz hintereinander die Geschichte um die Klowände des Internet und die Euroweb-Abmahnung direkt gefolgt von der Tranparency-Geschichte um Moni meinem Blog ziemlich große Aufmerksamkeit bescherten und ich beobachtete, dass sich seitdem die Leserzahlen trotzdem ich danach eher nicht mehr auf solche Scoops aus war (mit der Ausnahme des Zensurartikels, für dessen Verbreitung ich bewusst alle Möglichkeiten ausprobierte, die einem als einfachem Blogger zur Verfügung stehen und der noch immer der bei weitem am häufigsten aufgerufene Artikel meines Blogs ist) immer noch pro Jahr fast verdoppelten. Das war mir dann für diese kleinen privaten Dinge doch zu viel, vor allem für Texte, in denen ich nicht über mich alleine hätte schreiben wollen. Diese Geschichten sind daher inzwischen in kleine andere Blogs umgezogen, wo die Leserzahl wieder sehr überschaubar ist.
Was mir auch auffällt, wo ich so ein paar Archivseiten durchschaue: Ich bin mit den Zeiten nicht immer klar. will sagen: Bei einigen Ereignissen denke ich mir "Wie bitte, das ist schon so lange her?" weil ich sie, hätte ich raten müssen wann das war, locker ein paar Jahre später einsortiert hätte. Bei anderen ist es umgekehrt und ich habe das Gefühl, das ist schon eine Ewigkeit her. Und dann finde ich das vielleicht in 2007 oder so.
Jedenfalls bin ich ganz froh, dass meine ursprüngliche Motivation, nämlich einfach mal so lange wie möglich all die Sachen aufzuschreiben, die mich umtreiben um irgendwann mal eine richtig lange, durchgehende Chronik zu erhalten, wirklich dafür gesorgt hat, dass genau das passiert ist: Ich kann auf zehn Jahre zurückblicken, in denen sich das Internet veränderte und entwickelte, ich mich - zum Teil sogar sehr stark - veränderte und in denen sich letztendlich wirklich herauskristallisierte, welche Themen für mich auch langfristig die relevanten sind.
In diesem Sinne, auf die nächsten zehn Jahre.








