Irgendwas ist anders
Die letzten Jahre liefen immer in einem bestimmten Rythmus ab. Der Winter war zäh, anstrengend und deprimierend, im Frühling gings mir super und ich war total aktiv. machte Pläne und fing tausend Dinge und Projekte an, im Sommer versandete das Meiste davon wieder weil jedes mal überraschend viel Kram auf der Arbeit zu tun war und zum Winter hin ging die Luft dann raus und es kam der nächste anstrengende, zähe und deprimierende Januar.
Dieser Kreislauf ging so die letzten vier, fünf Jahre. Allerdings war in 2012 das Ganze irgendwie verschoben: Der Winter war tatsächlich noch nervig, aber im Frühling schon ging es diesmal bei weitem weniger aufregend zu. Klar, wie immer habe ich einiges gestartet so wie jedes Jahr. Aber davon hat das meiste diesmal direkt im Ansatz schon nicht hingehauen. Das war neu, aber an sich gar nicht so schlimm, denn dadurch hab ich über das weitere Jahr mehr Zeit für Privates gehabt, konnte mehr mit den Kindern machen, habe auch endlich wieder mehr - oder überhaupt - gelesen und habe auch endlich wieder mal Zeit zum Computerspielen gehabt.
Der Sommer zog sich aber echt hin. Ich hatte auf Grund dessen, dass irgendwie nichts zum Starten kam nicht viel zu tun, der Urlaub war einen guten Tick zu langweilig und irgendwie fühlte er sich schon an wie die Herbste der letzten Jahre, was mich doch etwas beunruhigte.
Der Herbst dann war jobtechnisch plötzlich eine Achterbahn... Ich schreibe hier ja nichts über meine Arbeit, aber soviel kann ich sagen: Ich hatte ab September sehr plötzlich sehr viel zu tun, musste viel reisen, hatte als Unitleiter viel Verantwortung zu übernehmen und wollte unbedingt auch meinem Selbstanspruch gerecht werden. Das hat auch alles gut bis einigermaßen okay hingehauen, aber es war definitiv keine Zeit zum Ausruhen und dadurch war sehr plötzlich Dezember. Der gewohnte Herbst, in dem die Luft langsam rausgeht, war also plötzlich so turbulent wie sonst der Frühling. Und er war im Nu vorbei. So war ich zwar wie üblich zu den Weihnachtsferien total ko, aber diesmal aus ganz anderen Gründen als sonst und die letzten 2 Wochen, in denen ich mich auch anders als sonst überraschend klar von der Arbeit ausklinken und mich komplett auf mich und alle meine Lieben fokussieren konnte, waren auch nicht der typische zähe Winter sondern erfüllt von Intensität, Nähe, Wärme, guten Gesprächen und erholsamen Momenten.
Der Jahresbeginn jedenfalls fühlt sich nun sehr anders an. Sehr ungewohnt. Komplett verändert. Und das ist schön, weil das hoffentlich bedeutet, dass auch weiterhin die Dinge mal etwas anders laufen. So entspannt bin ich jedenfalls schon lange nicht mehr in ein neues Jahr gestartet. Das könnte echt gut werden.
Fragebogen 2012
Dieses Jahr ist es echt schwierig, den Fragebogen auszufüllen oder sonstwie ein Fazit zu ziehen. Größtenteils war es nämlich wirklich schön und harmonisch. Ich fühlte mich - zumindest bis September - durchgehend wohl und alles schien recht gut zusammenzupassen.
Ab September war ich aber beruflich von einem Tag auf den anderen (und zwar wirklich genau so) im Megastress. Es hat zwar alles den Umständen entsprechend alles gut hingehauen, was für das kommende Jahr wichtig ist aber seit zwei Wochen sehne ich mich nur noch danach, nur mal auszuruhen. Privat sieht es bei mir persönlich auch recht ruhig und unaufgeregt aus (was gut ist) aber es wurde - auch just zum Jahresende - wichtig, dass ich mich um einige Menschen um mich herum kümmere.
Von zwölf Monaten waren also beruflich 9 und privat 10 wirklich in Ordnung. Die Heftigkeit und Geschwindigkeit der letzten drei vier Monate in denen sich das änderte und die sich anfühlten wie mit einem Segelboot durch einen Sturm zu navigieren, sorgen aber momentan für dieses Gefühl völliger Erschöpfung, das dem gesamten Jahr als Fazit jedoch gar nicht gerecht wird.
(Hier auch wieder die Rückblicke auf 2011, 2010, 2009, 2008, 2007, 2006, 2005, 2004, 2003).
Zugenommen oder abgenommen? Ich denke, gleich geblieben.
Haare länger oder kürzer? Erst ziemlich lang, dann viel kürzer, jetzt wieder länger.
Kurzsichtiger oder weitsichtiger? Keine Veränderung seit letztem Jahr.
Mehr bewegt oder weniger? Genauso wenig wie letztes Jahr. Was natürlich nicht gut ist.
Mehr ausgegeben oder weniger? Weniger. Zumindest für mich. Gab aber auch nichts, wofür ich unbedingt Geld ausgeben hätte wollen.
Der hirnrissigste Plan? Immer noch Urlaub machen. Ja, ein Deja vu seit Jahren.
Die gefährlichste Unternehmung? Konsequent ins brennende Haus zu laufen und zu löschen. Das ist nicht wörtlich gemeint, aber es hat sich so angefühlt. Knapp zwei Monate Tag und Nacht und am Wochenende durchgestresst, aber es hat wohl hingehauen.
Der beste Sex? Ja.
Die teuerste Anschaffung? Ich hab meinem Rechner mal eine Verjüngungskur gegönnt. Neues Mainboard, CPU, Speicher und ungeplant auch ne Festplatte weil die alten dann nicht mehr ins neue Setup passten.
Das leckerste Essen? Sushi.
Das beeindruckenste Buch? Das war ganz klar "Last Call" von Tim Powers, direkt gefolgt von "Three Days to Never". "Last Call" ist eine großartige okkultistische Actiongeschichte, in der es um Poker, Tarot und eine Welt hinter der Welt geht - ein bisschen wie bei Neil Gaiman. Ich mochte besonders, wie sehr Powers seine Figuren liebt und sie auch füreinander kämpfen lässt. Die Geschichten sind echt hart und die Protagonisten bekommen ordentlich aufs Maul, aber im Gegensatz zum allgemeinen Trend von Autoren, sich möglichst von ihren eigenen Figuren zu distanzieren und den Leser damit zu nerven, eine sympathische Figur einzuführen, nur um sie zwischendurch einfach mal sterben zu lassen gibt es bei ihm noch schön altmodische Happy Ends.
Der ergreifendste Film? Cloud Atlas
Die beste CD? Dieses Jahr hab ich tatsächlich wieder mehr Musik gekauft als die Jahre zuvor. Das liegt vor allem daran, dass die Preise für Downloads auf ein vernünftiges Preismaß gesunken sind, es das DRM-Problem nicht mehr gibt und es endlich auch total schnell und einfach ist, sich ein Album überhaupt kaufen zu können. Super, Musikindustrie, das hättest Du echt schon 10 Jahre früher haben können.
Aber zur besten CD. Das ist ohne Frage "Changeling" von Camille O'Sullivan.
Das schönste Konzert? Irgendwie gab es dieses Jahr keine gute Gelegenheit, auf ein Konzert zu gehen. Wir waren spontan bei Runrig, was ganz lustig war. Aber sonst war dieses Jahr mal nix.
Die meiste Zeit verbracht mit...? Arbeit. Gefühlt zumindest wegen der letzten Monate.
Die schönste Zeit verbracht damit...? LARP. Ich wollte dieses Jahr auf drei Larps. Das Drachenfest hab ich am Ende wenigstens mal für einen Tag besucht, das Jetland fand mitten im Herbststress statt und ich war so unter Tage das ich nicht mal abgesagt habe, aber auf dem Vinland war ich dann doch wenigstens und das war wirklich schön. Drei Tage, die sich aber angefühlt haben wie 2 Wochen Urlaub, weil ich mich mal komplett aus der Welt ausklinken konnte.
Vorherrschendes Gefühl 2012?Das muss ich jetzt wirklich zweiteilen. Januar bis August: konstruktiv. September bis Dezember: stressig.
2012 zum ersten Mal getan? Eine feste Plotrolle bei nem Larp gespielt. (Ansonsten gabs nicht wirklich 'zum ersten Mal'. Einiges hab ich vielleicht anders als sonst gemacht. Auch ging vieles weiter was neu für mich ist aber eine Entwicklung aus den Dingen ist, die letztes Jahr begonnen haben.)
2012 nach langer Zeit wieder getan? Wegen Stress eine komplette Nacht nicht schlafen können.
3 Dinge, auf die ich gut hätte verzichten mögen? Mitte September. Den Stress danach.
Die wichtigste Sache, von der ich jemanden überzeugen wollte? Das ist eigentlich immer das selbe: Dass man sich auf mich verlassen kann.
Das schönste Geschenk, das mir jemand gemacht hat? Eine achthändige Tantra-Massage. Und das als Überraschung so gut eingefädelt, dass ich wirklich keine Ahnung hatte was kommt. Das war echt toll.
Der schönste Satz, den jemand zu mir gesagt hat? Das weiß ich nicht mehr im Wortlaut. Aber ich bin rot geworden und habe mich sehr darüber gefreut.
2012 war mit 1 Wort...? turbulent
Links 2
Tatsächlich habe ich die letzten Tage die interessantesten Geschichten in Blogs gelesen. Daher kommt die heutige Linkliste auch ohne irgendwelche anderen Medienseiten aus:
Konstantin Binder schreibt über seinen Londoner Kiez und macht dabei eine wichtige Anmerkung:
(...) Die Dummkoepfe da draussen reden dann von Ueberfremdung und wissen nicht was ihnen entgeht. Das fremde im Leben ist das schoene, das neue, das spannende, und wer fuer sich fremd mit schlecht belegt, wird niemals Aufregung erleben, wenn man anderen begegnet.
Jemand erklärt, wie man "Can i touch your butt?" auf elbisch schreibt - oder um genau zu sein und weil Elben ja Manieren haben "Would you give me permission to touch your rear?". Ja. Ich weiß.
Warren Ellis schreibt über die Argumentation, dass Amokläufe verhindert werden könnten, wenn es mehr Waffen gäbe statt weniger:
So turn the news off. Write a note to your American friends. Give them a call. Tell them you love them, and that you think of them often. Because one day, it’s going to be them on the news. Or, more likely, their kids. It really is as simple as that. Because there’s no such thing as magic. And there’s no such thing as one good bullet.
Den Wahnsinn einer so technokratisierten Welt, dass sie schon wieder komplett willkürlich wird erleben Arbeitslose in Deutschland täglich. Wie man in diesem Paralleluniversum mit Menschen umgeht, beschreibt Schnittler hier in mächtigen Worten:
Nachdem ich zwei Drittel dieser “Wiedereingliederungsmaßnahme” hinter mich gebracht hatte, wurde ich in sog. “Seminare” geschickt, die ab da wöchentlich stattfanden. Die Titel der ersten drei Veranstaltungen ließen nichts Gutes erahnen. 1. “Networking im Sinne meines zukünftigen Arbeitsplatzes”, 2. “Gesundheit und Stressbewältigung für die erfolgreiche Jobsuche”, 3. “Zwischenmenschliche Kommunikation am Arbeitsplatz”. (...)
Und immer wieder die Suche nach der einfachen Erklärung für Amokläufe. Jetzt ist es dann auch der Feminismus:
Dahinter schwebt natürlich die Vorstellung einer angeblichen alle gesellschaftlichen Strukturen durchsetzenden Weiblichkeit, der die Männer mit ihrem wahren Wesen unterworfen sind. In einem anderen Text Ende September hat Hollstein das so umschrieben: „In der Geschlechterrevolution der späten Sechzigerjahre wurde der gesamte zwischenmenschliche Bereich von Frauen umgedeutet und inhaltlich neu gefüllt.“ Das ist begrifflich so vage, wie es inhaltlich nur von verschwörungstheoretischem Gebrubbel aufgeblasen gehalten wird. (...)
Fickt euch, Medien! (Update)
Jetzt sind sie also dran, die Autisten und Asperger. Ein indirekter Hinweis, dass ein Amokläufer die ein oder andere Eigenschaft mit Autisten gemein gehabt haben könnte reicht aus, um Klickstrecken und Artikel zu veröffentlichen, die unserer genormten Gesellschaft die Bestätigung gibt, dass nur kranke Menschen krankes tun.

Mal abgesehen davon, dass Autismus nicht gleich Asperger ist und beides keine Persönlichkeitsstörungen sind. Unwichtige Details, über die sich nur Haarespalter aufregen. Und natürlich Autisten. Sollen sich nicht so anstellen und lieber ihre Medikamente nehmen, damit sie nicht austicken.
Wenn unsere Küchenpsychologen in den Redaktionen ihre Zwanziger-Stricknadeln auspacken, dann werden aus Gerüchten schnell Symptome und aus den Symptomen Gründe. Alles in eine halbwegs passende Kiste gepackt und schon sind Autisten Amokläufer. Nichts neues, Autismus is the new Killerspiele is the new Death Metal is the new Gammler is the new Swingkids. Man kann sich ja nicht immer wiederholen: Aber es gibt ja genügend andere, wenn eine dieser einfachen Erklärungen langwierig widerlegt wurde.
Jetzt also die Autisten.
Eltern dürfen sich wieder gruseln - und es ist vor allem mal wieder der Spiegel*, das Hausblatt für den verklemmten deutschen Oberlehrer in uns allen, der die subtilen Ängste vor allem, was einem seltsam und unnormal vorkommen könnte, schürt. Nicht mehr darüber, ob das Kind durch Computerspiele den Verstand verliert oder wegen zu viel Feminismus zum unmännlichen Weichei mutiert. Diesmal pflanzt man ihnen die Frage in den Hinterkopf, ob dieser eine Mitschüler in der Klasse, der Autist, nicht vielleicht irgendwann unweigerlich zur Gefahr für alle werden könnte und ob es nicht besser wäre, diese bedauernswerten Kreaturen in eine eigene, ihrem Leiden angemessene Einrichtung zu stecken. Wäre ja sicher auch in ihrem Interesse, die können ja nichts dafür.
Eine andere Erklärung für solche Artikel habe ich nicht. Doch, eine: Quote machen durch das kolportieren von Schauermärchen. Aber das wäre ja komplett unjournalistisch. Von sowas ist der Spiegel ja weit entfernt.
Wenn es so wäre, dass Asperger sein und bestimmte Dinge, die einem in der Schule passieren und die man angeblich mit dieser Disposition nicht parsen und verarbeiten könnte - ich schreibe angeblich, denn es ist schlicht nicht wahr, dass man das nicht kann, es ist vielmehr so, dass sich Leute, die das so darstellen nur nicht vorstellen können - reicht, um auszuticken, hätte ich mindestens drei Amokläufe hinter mir.
Aber wie sagte schon der große Alan Rickman in seiner Rolle als Sheriff von Nottingham: "I had a very sad childhood, I'll tell you about it sometime... It's amazing I'm sane."
Update 17.12.2012:
Und BILD kombiniert die vom Spiegel hübsch hingehaltene Kmbination aus Zündholz und Benzinkanister und titelt mit genau der Assoziation, die ja angeblich überhaupt nicht beabsichtigt war und eröffnet unverblümt die Jagd:

Mir fehlen die Worte. Nicht einmal mehr eine passende Beleidigung fällt mir ein.
(* Und nein, ich verlinke den Artikel nicht. Er ist erstens nur ein Beispiel und zweitens wird er seit einer Weile ständig umgeschrieben, was ja nett ist, aber meinen Punkt nicht verändert.)
Links
Ich hab mal ein paar der Links, die ich so in der Woche über Twitter, Facebook und so blase, hier gesammelt. Wenn ihr das brauchen könnt kann ich das ja öfter machen.
Krähen, die an Schwänzen ziehen: Crows pull tails. It’s like they can’t help themselves. If there is a tail, it must be pulled.
Der japanische Star Trek Teaser mit der extra Sekunde am Ende, die in den anderen Teasern fehlt.
Handpropaganda darüber wie dumm es ist, Julia Probst zu dissen: "Die erste Gehörlose im Bundestag, eine richtig fette Chance, und ihr habt sie verkackt, weil euch nichts besseres einfällt, als wie kleine Giftzwerge mit kleinen Hackebeilen auf die Schienbeine von Schneewittchen loszugehen."
Ein Foto - " One of the arguments is that girls ask for rape because they wear slutty clothes, short skirts, tight, low-cut tops."
Diese Petition gegen racial profiling hat viel zu wenige Unterzeichner:
(...) Die Praxis des „Racial/Ethnic Profiling“ ist der verdachtsunabhängigen Personenkontrolle bzw. Schleierfahndung inhärent. Es soll hier insbesondere zur Verhinderung der unerlaubten Einreise nach verdächtig „fremd“ aussehenden Menschen Ausschau gehalten werden. Dass es dabei regelmäßig zur Diskriminierung aufgrund von rassistischen, ethnischen und religiösen Merkmalen kommt, zeigen auch zahlreiche Berichte von Betroffenen. (...)
Und dann im Bericht über De-Mail und E-Post bei test.de diese Zeile: "Zum Lesen einer De-Mail ist die Betreffzeile zu markieren und anschließend der Knopf 'Lesen' zu drücken."
Jesus-Motivators. Jetzt noch motivierender mit neuen Untertiteln.
Mich fasziniert momentan ja tumblr unendlich mehr als Twitter, Facebook und Google+ zusammen. Gerade beobachte ich, wie sich seit 2 Wochen die von mir dort weitergegebene Meldung verbreitet, dass Neil Gaiman gerade an Drehbüchern für eine American Gods Serie bei HBO schreibt.
Cats that look like pin-up girls (und wieder tumblr)
Ok, und ich poste jetzt auch hin und wieder ein Foto auf Instagram. Aber wirklich überzeugend find ichs immer noch nicht und wird es wohl auch nicht werden. Das Foto hier von der Wyvern Crafts Weihnachtsfeier würde ich z.B. gern hier einbinden. Embedden geht aber nicht. Doof.

Crowdsourcing funktioniert auch bei kleinen Bands
Bewiesen haben es die Singvøgel, die per Pledgemusic in keiner Weise knapp (die 100% waren schon Wochen vor Aktionsende erreicht) die Herstellungkosten für ihre neue CD zusammenbekommen haben.
Ich hab ja mitgepledged, daher bekomme ich auch zwei schön altmodische CDs. Aber bis die bei mir ankommen hör ich mir die CD schon mal hier an. Da kann man sie zwar auch kaufen, aber im Moment kann man sogar immer noch spenden, was günstiger ist und man zum Album auch noch ein paar Goodies abgreifen mag.
Und ich kanns nur nochmal sagen: Im Gegensatz zu den früheren Sachen, mit denen ich oft genug echt Probleme hatte, bin ich hier restlos begeistert. Warum? Weil sie sich diesmal nicht alles selbst gemacht sondern mit - Internet sei Dank - anderen tollen Menschen zusammengetan haben, die manche Dinge einfach besser können.
Das Beste, was ihnen passieren konnte war, dass Ingo sich bereiterklärt hat, das Album zu produzieren. Was er aus den Dreien herausgeholt hat und selbst beigesteuert hat (das Dea Dia Intro ist sowas von genau mein Ding) ist mit Geld nicht zu bezahlen - was ich wörtlich meine: er hat es nämlich for free gemacht, einfach weil er Bock drauf hatte. Ich hab mich über die schönen Instrumente gefreut, die man endlich mal richtig gut hört und auch darüber, dass die Stimmen richtig zur Geltung kommen. Und Sven hat direkt mal einige seiner besten Drumspuren reingespielt (z.B. bei Pegasus).
Ein weiteres Highlight dazu ist das Video zu Dea Dia, das von Microrebels beigesteuert wurde (ok, eine Szene find ich etwas cheesy):
Parteien: Die TV-Serien
Grade kam dieses Zitat von Daniel Köbler per Twitter:
"Wäre die CDU eine Fernsehserie, so wäre sie Dallas. Männer wären fies und geldgierig u Frauen gehörten in d Küche."
Das könnte man sich ja auch mal die anderen Parteien überlegen:
Grüne: MacGyver

War großartig in den Achtzigern, aber kann man sich heute nur noch mit Nostalgiebonus ansehen. Auch technisch hintendran, weil das Bild ziemlich verwaschen ist und das 16:9 Format nicht den ganzen Schirm füllt. Früher hat McGyver Adler gerettet und gegen die Umweltverschmutzung von Großunternehmen gekämpft, heute ist er alt, grau, hat ne Wampe und fährt Mercedes.
FDP: GZSZ

Irgendwer schaut sich diese Belanglosigkeit wohl an, sonst gäbs das ja nicht so lange, aber niemand gibt es zu. Die Welt besteht nur aus gehobener Mittelschicht. Keine einzige Hauptrolle ist auch nur im entferntesten sympathisch, geschweige denn authentisch. Eine der wichtigsten Locations ist der Friseursalon.
CSU: Denver Clan

Irgendwie wie Dallas, aber nicht ganz so gut (oder noch schlechter) und auch die Einschaltquoten sind außerhalb der Hardcorefanbase mieser. Die Protagonisten sind weltfremd, intrigant, ständig am Trinken und immer irgendwie overdressed. Alle sprechen irgendwie komisch. Highlight: Die schlimmsten Frisuren im Fernsehen ever!
(von Konstantin, leicht von mir erweitert)
Piraten: Red Dwarf

Kennen nur Nerds, normale Menschen schalten nach 10 Minuten verstört ab. Hat nur ein paar Folgen, aber die Ausrichtung ändert sich im Lauf der Serie ständig und wirkt planlos, weil es hinter den Kulissen unglaublich viel Zank gab. Außerdem merkte man erst spät, dass man in der Crew eine weibliche Rolle vergessen hat. Ist aber trotzdem Kult und irgendwie faszinierend.
Die Linke: Lindenstraße

Gibts gefühlt schon ewig und ist ständig bemüht, auf aktuelle sozialkritische Themen aufzuspringen. Immer wenn man denkt, jetzt gehts einem der Protagonisten endlich mal besser gibts beim nächsten das menschliche Drama. So viel trister, grauer Alltag ist nirgends sonst im Fernsehen.
(von Sven)
Und irgendwie fiel es tatsächlich keinem auf, dass die SPD fehlte. Das spricht glaube ich für sich, aber Dank des Kommentares von bewitchedmind ist sie jetzt auch dabei:
SPD: Tatort

Gab sich bis in die Achtziger sozialkritisch, heute bemüht man sich, kein Stammtischklischee über MigrantInnen und Hartz-IV-Empfänger auszulassen. Das Personal wirkt so glaubwürdig und menschlich wie gut dressiertes Holz, die Plots sind so vorhersehbar, so daß das Publikum regelmäßig einschläft und am Ende nicht mehr weiß, wer schuld an allem war. „War irgendwie schon immer da“ ist die einzige Existenzberechtigung.
Ich sammle gerne mehr Vorschläge vor allem bei der CSU fällt mir noch nichts passendes ein und Erweiterungen.
Privilegien
Ich denke, eines ist klar: Es wird immer Unterschiede geben. Es wird immer Vorteile und Nachteile geben. Es wird immer ein Gefälle geben. Und eine Gesellschaft hält solche Unterschiede aus, akzeptiert sie, vergibt sie sogar als Auszeichnung und man gönnt sie anderen sogar oft genug.
Allerdings gibt es dafür Grenzen. Die Gesellschaft ist eine Konsensgemeinschaft, die so lange funktioniert, wie die Mehrheit der sie bildenden Individuen mit den Unterschieden, mit Armut und Reichtum, mit der ungleichen Wohnsituation, mit dem leichteren und schwereren Zugang zu Bildung, Arbeit und Einkommen zurecht kommt. Sprich: So lange das Gerechtigkeitsempfinden noch beruhigt werden kann, selbst wenn es nicht Gerecht zugeht.
Die Menschen sind nämlich meistens nicht neidisch. Es gibt viel seltener die gern beschworene Neiddebatte als man uns glauben machen möchte. Lustigerweise sind es ja sogar genau die, die diesen Vorwurf anbringen, die im eigenen Fall - also wenn es darum geht, dass sie vermeintliche Nachteile erleiden müssen - laut "Ungerecht!" schreien als ob es um existentielle Fragen geht. Meistens geht es aber nicht einmal um Nachteile, sondern um den Wegfall von Vorteilen. Stichwort: Frauenquote.
Vorteile gegenüber anderen zu haben, das ist die Definition von Privilegien. Privilegien sind nicht per se böse: die Taxi- und Busspur privilegiert Taxen und Busse. Sie sind also aus offensichtlich praktischen Gründen sinnvoll. Die englische Queen hat geradezu unendliche Privilegien. Das hat traditionelle Gründe. Ähnliche übrigens wie die von exzentrischen Stars oder den Rockbands, die anscheinend mehr Hotelzimmer zertrümmern und Drogen nehmen dürfen als normale Menschen ohne dass sie zu viel Ärger bekommen. Sie bilden dafür Projektionsflächen. Auch die sind in gewisser Weise Tradition - sie tun stellvertretend für uns die Dinge die wir uns nicht trauen würden.
Reiche und mächtige Menschen dürfen mehr als andere. Auch das ist bis zu einem bestimmten Punkt okay - nämlich dann, wenn sie ihre Aufgabe erfüllen. Allerdings ist das Adelssystem bei uns abgeschafft und diese Privilegien sind an messbarere Werte gebunden, die z.B. Erfolg heißen. Und was Erfolg ist, ändert sich von Zeit zu Zeit, also sind auch Privilegien meistens kein Geburtsrecht sondern verliehen - unter Umständen auf sehr kurze Zeit.
Das scheint der ein oder andere gerne mal zu vergessen und ab dann wirds häßlich. Männer, die glauben, sie würden unterdrückt, nur weil Frauen dieselben Chancen (und das selbe Gehalt für gleiche Arbeit) verlangen sind da nur kleine Würstchen - ich kann mich über diese Winseleien nicht mal ärgern. Die haben nur Angst, dass ihre Konkurrenz größer wird. Geschenkt. Der Zug ist abgefahren und ansonsten: Tja, willkommen in eurer eigenen Leistungsgesellschaft, weiße Männer.
Wo es wirklich schwierig wird sind die Stellen, an denen wir nicht mehr merken, dass wir Privilegien genießen. Und das passiert uns allen, ständig. Wir Netznerds sind da beileibe nicht frei von, die Überheblichkeit, mit der viele Nerds die Barrieren ignorieren oder gar am liebsten aufrecht erhalten würden, die andere Menschen von der Art der Nutzung und von den damit verbundenen Möglichkeiten des Netzes ausschließen, die Art wie sie über Ängste und Überforderung von weniger Privilegierten Nutzern einfach hinweggehen und ihr "get used to it"-GIF posten ist auch eine Art Privilegienwahrung. Es gibt aber kein Internetprivileg für Nerds. So gerne ich den CCC habe und so sehr ich seine Arbeit begrüße und so nah ich der Piratenpartei und ihren Grundsätzen stehe: Ich sehe so wenig Bewusstsein dafür, dass sie in einer privilegierten Position stehen. Bzw schlimmer: Ich sehe so viele unter ihnen, denen es beileibe nicht darum geht, generelle Gleichstellung zu erreichen, Aufklärung zu betreiben, Barrieren zu senken. So oft geht es in Wirklichkeit darum, Privilegien zu erhalten, Herrschaftswissen zu erzeugen (und sich damit zu brüsten) und die Durchlässigkeit zu Teilhabe und neuen Privilegien vor allem nur für sich und seine "Kaste" zu erreichen.
Warum mir das wehtut, das zu beobachten: Wir Nerds waren in der Schule immer die Underdogs. Wir haben nie dazugehört. Wir wissen, wie sich Ohnmacht anfühlt. Und jetzt, wo wir zu einem gehörigen Teil den Ton angeben können, benehmen sich viele von uns genau so, wie die Spießer, die uns früher das Leben schwer gemacht haben? Sorry, aber das sehe ich nicht ein. Mir ein paar Privilegien - noch dazu auf Kosten anderer - zu ergattern ist mir zu wenig. Zu einem dieser aufgeblasenen, eingebildeten Nerd-Spiesser zu werden ist so viel peinlicher (und ich beobachte das mit einer gehörigen Portion Fremdscham) als schon immer ein herkömmlicher bürgerlicher Spiesser zu sein. Und noch viel erbärmlicher, als wenn sie einfach nur harmlose, schüchterne, aber aufrechte Nerdkinder geblieben wären.
Uninteressante Orte in 360 Grad (1)
Da mir momentan nichts besonders aufregendes passiert, weil ich seit Wochen vor allem arbeite und meine freie Zeit vor allem mit ausruhen verbringe und ich immer weniger Themen habe, über die ich hier schreiben könnte, ohne dass mir sofort einfällt dass ich darüber schon längst und ausführlichst geschrieben habe, muss ich mir neue Herausforderungen suchen, die mit beidem zu vereinbaren ist. Eine davon seht ihr jetzt hier zum ersten Mal:
360-Grad-Bilder von total uninteressanten Orten!
Hier also Nummer 1 von vielen noch kommenden garantiert völlig unspektakulären Fotos:
Parkplatz mit einem langweiligen Graffiti und mehreren uninteressanten Gebäuden
Bitte anklicken für die große Version (nicht, dass das deswegen irgendwie interessanter würde...).
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Ich hatte vorgestern Geburtstag. Dazu ein paar wilde Gedanken, warum ich die Dinge mehrheitlich positiv und entspannt sehe.
Ich weiß zum Beispiel genau, wie sich eine tasächliche Bedrohung anfühlt. Ich habe einen jahrzehntelangen kalten Krieg überlebt. Echte Waffen, echte Drohungen, echte sinnfreie Atomkriegsübungen in der Schule. Echte Tote an einer deutschen Grenze. The Day After als reale Möglichkeit für den nächsten Tag. Ihr braucht mir also nichts von gefährlichen Islamisten erzählen, vor denen werde ich nie Angst haben.
Ihr könnt aufhören, mir die angeblich schlimmen Folgen eines Atomausstiegs vorzulügen, ich weiß, wie sich eine tatsächliche Ölkrise und vor allem wie sich Tschernobyl und Fukushima angefühlt haben.
Ich weiß, wie viel besser wir heute informiert sind. Ich kenne die Zeiten, in denen es drei Fernsehprogramme und mit viel Mühe fünf politisch unterschiedlich ausgerichtete Zeitungen gab.
Ich habe erlebt, dass Mobbing vor allem dort entsteht, wo es möglich ist, Transparenz zu verhindern: Egal ob in Schulen, in Firmen oder in irgendwelchen Szenen. Ich sehe, wie gut Transparenz denen tut, denen erzählt wird, sie wären Einzelfälle oder ihr Verhalten sei eigentlich Schuld an ihrer Situation. Im Internet wird man auch gemobbt, das stimmt. Aber das kann ich - im Gegensatz zu früher - jetzt öffentlich machen, so dass jeder vor allem die Mobber sehen kann und die Gemobbten herausfinden, dass sie bei weitem nicht alleine und schon gar nicht hilflos sind.
Ich weiß, dass man sehr gut ohne das Internet zurechtkommen kann. Ich sehe aber auch, wie viel besser die Welt in nur knapp 20 Jahren mit dem Internet geworden ist.
Ich weiß, dass viele Dinge, die einem in einem Moment sehr schlimm und schrecklich vorkommen, überwunden werden können. Und ich weiß, dass man oft einfach nur etwas Zeit und Geduld dazu braucht. Vielleicht versteht man das erst, wenn man älter wird und die ein oder andere Krise schon hinter sich brachte. Ich kann jüngeren Menschen nur dringend raten, die älteren zu fragen - "It's getting better" ist kein Trost und kein Versprechen, es ist eine Erfahrung.
Wir waren schon komplett Pleite und es hat vier Jahre gebraucht, um wieder auf die "Null" zu kommen.
Ich habe mit 24 Jahren und einem Kind keinen blassen Schimmer gehabt, womit ich mal mein Geld verdienen sollte. Lasst euch nicht erzählen, ihr müsstet das mit 15 wissen.
Ich weiß, dass kein Mensch vorhersagen kann, was in 5 Jahren passiert. Als ich 5 war, erschien das Buch "Weltmacht ITT", das in meinem Bücherregal steht (und das ich eigentlich Mario versprochen hatte, fällt mir grade ein), in dem eine heute völlig vergessene IT-Firma zum zukünftigen Weltherrscher herbeigeschrieben wird. Dieselben Bücher gab es ab Mitte der Achziger über IBM, der Neunziger über Microsoft und jetzt über Google und Facebook. Do your math, ob ich Angst vor denen habe.
Ich kenne ziemlich viele Formen und Ausprägungen von Wirtschaftskrisen, politischen Krisen und Kriege. Ich erinnere mich an schwarzweiße Nachrichtensendungen, in denen über den Vietnamkrieg berichtet wurde, an den Afghanistankrieg in dem Bin Laden noch der Gute war, an einen blutig niedergeschlagenen Volksaufstand in China, an unzählige Putsche und Gegenputsche in Südamerika und an Jugoslawien, wo inzwischen keiner mehr weiß wer da eigentlich die Bösen waren (nun, die Muslims warens definitiv nicht). Die Welt ist dennoch bisher nicht untergegangen und das wird sie auch weiterhin nicht tun.
Die Welt wird sich aber sicher weiterhin immer wieder verändern - sich dagegen zu wehren ist ziemlich sinnlos und ermüdend. Sie verändert sich auch beileibe nicht immer schneller undschon gar nicht zum Schlechten: Wir werden lediglich immer unbeweglicher und langsamer, weil unsere Erinnerungen uns schwerfälliger machen. Wer noch nicht viel erlebt hat, könnte eigentlich viel unbelasteter nach vorne marschieren.
Ich vermisse aber, dass eine Reise zu einem 20 Kilometer entfernten Ziel spannend ist. Ich vermisse die Großfamilie und das Gefühl, dass es selbstverständlich war, dass immer irgendwie gut dreißig Tanten, Onkel, Cousinen und Cousins um mich gewesen sind, wenn ich die 6 Wochen Sommerferien bei meiner Oma verbracht habe.
Ich vermisse, dass ein Kinobesuch etwas Besonderes war. Ich vermisse die Freude über das neue Yps-Heft. Ich vermisse überhaupt, dass mehr Dinge neu und aufregend sind als bekannt oder vergleichbar.
Ich habe aber dafür eine immer größer werdende Anzahl schöner Erinnerungen an Zeiten, die großartig waren. Oder Spannend. Befriedigend. Lustig... Erinnerungen, in denen die anstrengenden Seiten immer unwichtiger werden und immer mehr verblassen und die guten Seiten immer mehr glänzen können.
Es war bis hierher ein wildes hin und her. Wenn ich etwas definitiv gelernt habe, das ich weitergeben kann, dann ist es: Habt keine Angst vor der Zukunft und macht euch weniger Pläne.






